Was für ein Zufall, dass wir uns hier treffen, könnte man
sagen - kann man eben nicht so ohne Weiteres, denn im anderen Falle hält
man es für Schicksal, dass man diesen oder jenen Termin verpasst hat,
weil man ja seinen Partner fürs Leben gefunden hat.
Wer bestimmt also, was Zufall, was Schicksal ist. Man könnte auch
sagen, was ist der Unterschied zwischen Zufall und Schicksal? Es ist unübersehbar,
dass es nur eines von beiden geben kann:
Ein und das selbe Ereignis kann für die eine Person Zufall sein, z.B., dass eine Vase herunter gestossen wird, und für einen Anderen kann es Schicksal sein, weil er, aufgeschreckt durch den Lärm, aufsah, und die vielbesagte Frau fürs Leben fand. Und er wird sein ganzes Leben bei Gelegenheit von der so schicksalhaften Vase erzählen. Seine Frau wiederum würde uns eine ganz andere Geschichte erzählen, vielleicht auch keine, weil sie die Vase gar nicht bemerkt hat.
In einem Weltbild ohne ein höheres Wesen - in welcher Form auch
immer - muss man also ganz ohne ein Schicksal auskommen, weil sich Schicksal
wohl kaum aus unserer subjektiven Beurteilung ableitet. Das hiesse jedoch,
dass mein gesamtes Leben an einem seidenen Zufallsfaden hängt, der
jeden Moment reissen könnte oder dessen Ende auf falscher Höhe
hängt, sodass ich gerade an dem Ereignis, der Person, der Situation
vorbeifliege, dessen Conaisance für meine weitere Entwicklung als
Individuum so wichtig gewesen wäre.
Somit ist mein Leben nur eine zufällige Aneinanderreihung von
Ereignissen, dessen Eintreten ich nun wirklich in nur sehr begrenztem Masse
beeiflussen kann.
Die grossen Religionen entledigen uns diesen Problems, indem sie uns entweder die Vorsehung, oder eine zweite und dritte Chance bieten:
Glaubt man ein eine Vorsehung, so ist es nur selbstverständlich,
dass das Leben sich in jedem Fall zu einem, wenn auch nicht immer für
uns erfassbaren, Kreis schliesst. Dies beinhaltet jedoch auch, dass man
dem Kreis seines Schicksals in keinem Fall entrinnen kann. Kein Mensch
kann also seinem Leben eine andere Richtung geben, als die
Vorherbestimmte.
Ein teilweises Schicksal, dass man in Ausnahmen beeinflussen kann,
ist natürlich Unsinn, denn wer will schon die Macht haben, zu entscheiden,
was eine Ausnahme ist, und was nicht? Auch macht die Annahme eines göttlichen Wesens wenig Sinn, dass nur in bestimmten Fällen, oder sogar
auf Bitten des Menschen hin, in die Weltgeschichte eingreift.
Nach welchenKriterien sollte es entscheiden, wo eizugreifen ist, und
wo nicht? Nach eigenem Ermessen etwa? Ohne Grundsätze?
Also müsste es Mächte geben, die sich mit der Organisation
unseres Schicksal befassen, und die die Möglichkeit haben, ihre Pläne
in unser Handeln zu projizieren. Denn eines jeden Schicksal ist auf die
eine oder andere Art mit denen seiner Mitmenschen verkn%uuml;pft. Wie sonst
ist es möglich, dass eine Frau ihren Traumman findet, und er das Gleiche
auch von ihr für sich behaupten kann? Dieser Zufall ist, wie es scheint,
angesichts der Tatsache, dass es viele Millionen Menschen gab, gibt und
geben wird, nahezu unmöglich. Wieviel irrealer ist dann wohl die Idee
von einer zufälligen Organisation aller Ereignisse dieses Universums,
dem Sein an sich?
Es scheint, als ob beide Möglichkeiten irreal sind, denn ein Wesen,
das den gesamten %Uuml;berblick hat, ist genauso undenkbar, wie das zufällige
Entstehen des Seins
Anmerkung:
Diese Überlegungen entstanden im Rahmen eines Philosophiereferats, bei dem das Thema frei gewählt werden durfte. Anfänglich wollte ich ein Referat über Blaise Pascal machen, ein genialen Mathematiker und Philosoph des 17. Jahrhunderts. Da ich mich aber schon seit längerem mit der Frage Zufall oder Schicksal befasst hatte, schien mir das eine gute Gelegenheit, meine Gedanken endlich mal zu Papier zu bringen.
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Auf dem Bild ist also die besagte Höhle im Schnitt zu sehen. Unten in der Höhle sind Menschen zu sehen, die ihr gesamtes bisheriges Leben in dieser Höhle zugebracht haben. Auf Grund der Form der Höhle haben sie noch nie Tageslicht gesehen. Weil sie gefesselt sind, ist das einzige was sie sehen können, die Schatten an der Wand, die durch die Figuren entstehen, die oberhalb der Mauer vorbeigetragen werden, wie in einem Schattenspiel.